Camerata Laranjeiras Deutschland Tour 2017

Im Oktober/ November 2017 realisierten sieben junge Musiker der Camerata Laranjeiras ihren langersehnten Traum: eine Konzertreise nach Deutschland.

Mit Hilfe der Deutschen Schule Corcovado in Rio de Janeiro, der Firma BBraun, einer internationalen Crowdfunding Aktion und dem Kultusministerium in Bayern wurden alle Kosten übernommen. Die meisten Musiker der Camerata kommen aus ärmlichen Verhältnissen und könnten sich solch eine Reise gar nicht leisten.

Siehe hier ein Video von Michael Stocks ARD Blog „tudo bem“:

Die Reise geht los

Gemeinsam mit Schülern der Deutschen Schule nahmen die Jugendlichen der Camerata Laranjeiras vom 20. bis 28. Oktober 2017 an einem Austauschprogramm mit der Clermont- Ferrand Mittelschule in Regensburg teil. Gemeinsam mit Musikern der Münchner Symphoniker musizierten die Jugendlichen vor 2000 Menschen in der Universitätsaula in Regensburg.

Hier einige Fotos dieses unvergesslichen Abends (Fotos Oliver Jäckel)

In Bayern konnten die Musiker gemeinsam einige Ausflüge machen, nach München und auch in das BMW- Werk in Regensburg, was die Brasilianer besonders beeindruckte. BMWCamerata

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!!

Am 29. Oktober trafen die Musiker in Berlin ein. Dort kamen auch zwei ehemalige Musiker des Orchesters, die mittlerweile in Berlin leben, und zwei norwegische Musikerinnen der bekannten Gruppe Oslo Strings hinzu. Auch Orchestergründer Tiago Cosmo konnte aufgrund einer großzügigen Spende aus Rio de Janeiro einfliegen und war bei allen weiteren Konzerten dabei.

Da Integration verschiedener Menschengruppen für die Camerata Laranjeiras eine wichtige Rolle spielt, war in Berlin ein Konzert für Flüchtlinge geplant, das ein großer Erfolg wurde. Mit Hilfe eines brasilianischen und arabischen Dolmetschers sowie mitgebrachten Instrumenten sangen, tanzten und musizierten Publikum und Orchester am Ende begeistert zusammen. Es wirkte, als wenn der Lambada in Syrien ein ebenso großer Erfolg war, wie in den 80ern in Deutschland.

Die Musiker der Camerata konnten in Berlin auch mehrere Konzerte besuchen. Unvergesslich blieben die Abende in der Berliner Philharmonie mit dem Casual Concert des Deutschen Sinfonieorchesters und das Konzert des Danish String Quartett im Konzerthaus mit anschließendem Meet and Greet.

BerlinerMauerCamerataLaranjeiras

Hummel Hummel!

Am 1. November ging die Reise mit zwei großen Mietwagen weiter nach Schleswig- Holstein. Dort traf das Orchester den Solocellisten Daniel Sorour und gab zwei Konzerte mit ihm. Am 2. November in der wunderschönen St. Lorenz Kirche in Travemünde und am 5. November in meiner Heimatstadt Schwarzenbek. Daniel Sorour kennt die Camerata Laranjeiras gut, da er bereits mit der Gruppe beim Internationalen Cellofestival in Rio de Janeiro in der Candelaria, Rio de Janeiros größter Kirche, gemeinsam musiziert hatte.

Spontan entschloss sich eine kleine Gruppe der Musiker vormittags auf dem Marktplatz in Travemünde eine kleine Mini-Performance zu geben, um somit auch noch weiteres Publikum für das abendliche Konzert einzuladen. So konnten wir unsere Tradition auch in Deutschland fortsetzen, regelmäßig auf offenen Plätzen zu musizieren. Es machte den Musikern viel Freude und sogar die Sonne kam heraus!

Hier einige Eindrücke von unserem Konzert in Travemünde (Fotos Isabela Pacini)

Ab  dem 3. November fand an dem Luisengymnasium in Hamburg – Bergedorf ein Orchesterworkshop mit der Camerata statt. Dort übten die Musiker mit gleichaltrigen Schülern brasilianische Musik und Tanzschritte ein, die die Gruppen bereits am 4. November gemeinsam mit Standing Ovation in der Aula präsentierten. Die Musiker der Camerata fühlten sich im Norden Deutschlands sehr wohl. Das lag auch daran, da sie bei Gastfamilien untergebracht waren, die die freundlichen Brasilianer sofort ins Herz schlossen.

Das Konzert in der Aula des Gymnasiums in Schwarzenbek war der krönender Abschluss der ersten internationalen Tournee der Camerata Laranjeiras. Karolin Broosch berichtete mit Leidenschaft über das Leben und die Musik in Brasilien und das Publikum folgte begeistert dem Orchester von der ersten bis letzten Minute.

Hier ein Zeitungsartikel aus den Lübecker Nachrichten von Silke Geercken:

ZeitungSchwarzenbek

Starke Emotionen- nicht nur bei dem Publikum

Am Ende der Tour gab es viele Tränen. Die Musiker der Camerata Laranjeiras konnten den Erfolg der Reise kaum fassen, überall erhielten wir Standing Ovation und Spenden, die für die Zukunft unseres Orchesters so wichtig sind. Unsere Cellisten bekamen von unserer langjährigen Geigenbauerin und Unterstützerin Andrea Masurat neue Bögen. Vor allem aber waren die Musiker sprachlos über die Gastfreundschaft der Deutschen und die Chancenvielfalt und kostenlose Bildung für Kinder und Jugendliche in  Deutschland.

Danke

Wir möchten uns bei allen von ganzem Herzen bedanken, die uns emotional und finanziell unterstützt haben. Bei allen Gastfamilien in Hamburg, die unsere Musiker mit so offenen Armen empfangen haben. Johannes Rasch, der sogar Bläserstimmen für das Andante Festivo und den Lambada arrangierte, um alle Musiker dabei zu haben. Bei Helena & Kaja von Oslo Strings und Luana & Sigrun aus Berlin, die uns mit ihrem wunderschönen Spiel, Energie und Kochkünsten unterstützt haben. Bei meinen Eltern und ihren Nachbarn in der Mühlenstraße, die im letzten Moment doch noch das Konzert in Schwarzenbek realisieren konnten und den Brasilianern die besten Hamburger ihres Lebens serviert haben. Ebenfalls möchten wir uns bei Jennifer und Joachim Schemel für ihre großzügige Gastfreundschaft in Berlin- Karlshorst bedanken, die uns alle nicht nur in ihrem Haus unterbrachten sondern uns sogar mit brasilianischem Essen überraschten.

Ein besonderer Dank gilt Katharina Haase, unserer Tourmanagerin. Von Anfang an hat sie an unsere Tour geglaubt und auch bei kranken Brasilianern, kaputten Leihwagenschlüsseln zu Mitternacht und verschwundenen Gastgeschenken immer einen kühlen Kopf behalten und stets die besten Moderations- Tipps gehabt.

Und am Ende bedanken wir uns natürlich bei unserem Publikum in Deutschland, das so euphorisch geklatscht und getanzt hat, dass wir uns manchmal fragten, ob in jedem Deutschen doch ein Brasilianer steckt.

Danke!

TravemündeHUG

Foto Isabela Pacini

 

 

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