Karolin Rosalie Broosch- ein Leben mit Musik

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, so denke ich an Musik. Da mein Vater nebenbei als Unterhaltungs-Musik arbeitete, war Musik in unserem Haus allgegenwärtig.
Ich selbst erlernte Blockflöte, Klavier und Geige und konnte meinen Vater schon bald bei seinen Wochenend-Auftritten begleiten.

Nach meinem Abitur studierte ich zunächst Schulmusik an der Hamburger Musikhochschule, wechselte aber bald an die Dresdener Musikhochschule um mich ganz und gar auf das Geigespielen zu konzentrieren. Nebenbei sang und spielte ich in Berlin und Stuttgart regelmäßig bei Werbung oder Kurzfilmen und sang für Touristen Jazzstandarts in einem Hotel in Dresden. Meine Professoren Prof. Manfred Scherzer und Jörg Faßmann konnten mir sehr viel beibringen, so dass ich ein sehr gutes Vordiplom erlangte.

Ein Austauschjahr an der Osloer Musikhochschule öffnete mir die Augen für eine andere Art des Musizierens: Hier stand nicht die Technik, sondern in erster Linie die Musikalität im Zentrum. Ein Studienplatz an der privaten Elite-Hochschule Barratt Due Musikkinstitutt sowie ein Stipendium ermöglichten mir, mein Studium in Norwegen fortzusetzen. Bei dem Direktor der Schule – Stephan Barratt- Due – absolvierte ich ein Bachelor sowie ein Masterstudium und fühlte mich vollkommen in der dortigen Musikszene angekommen: Ich spielte im Radio-Orchester, im Kammerorchester Oslo Camerata, stand in zahlreichen Produktionen des Nationaltheaters als Sologeigerin auf der Bühne, wurde für Schauspiel-Produktionen des Hålogaland Teater in Tromsø engagiert und war Teil einer großen Fernseh-Show am Samstag Abend. Mit Kommilitonen gründete ich die Kammermusik-Gruppe „Katharsis“, mit der wir zahlreiche CDs eingespielt haben und durch Europa und Japan getourt sind.
Ich habe meinen musikalischen Horizont in dieser Zeit sehr erweitert und spiele zusätzlich zur Geige und Bratsche nun auch Säge, Ukulele, diverse Percussion-Instrumente und bin sogar Schauspielerisch tätig gewesen.

Neben dem Musizieren entdeckte ich meine Begeisterung für die Pädagogik und Musikerziehung und absolvierte deshalb den Doppelstudiengang Instrumental-Pädagogik und Solo-Violine. Angeregt durch meine Professorin Sigyn Fossnes entstand meine Anfänger-Violinschule „Musikk er gøy“ („Musik macht Spaß“), die ich aufgrund der guten Rezeption mittlerweile auch ins Portugiesische übersetzt habe.

Als ich 2007 zum ersten Mal nach Brasilien reiste, lernte ich dort eine ganz andere Bedeutung von Musik kennen, außerhalb von Konzerthäusern und Musikhochschulen. Das Musizieren insbesondere mit Kindern aus den Favela zeigte mir sehr deutlich, dass Musik ein Anker im Leben sein kann. Ich spürte was es wirklich heißt, mit ganzem Herzen bei der Musik zu sein.

Nach vielen Reisen von Norwegen nach Brasilien und vielen Konzerten in beiden Ländern, packte ich 2012 endgültig meine Koffer und zog mit meiner inzwischen geborenen Tochter und meinem Mann nach Rio de Janeiro.
Dort wurde ich zur 2. Konzertmeisterin des Orquestra Sinfonica Brasileira Òpera & Repertorio und unterrichte zudem Kinder und Jugendliche aus den Favelas in Niteroi und Rio de Janeiro.
Mit meinem Mann Tiago Cosmo da Silva, ebenfalls Geiger, gründete ich das Duo Cosmo-Broosch. Mit der Unterstützung vom SESC Niteroi, einer staatlichen Kulturorganisation, bringen wir klassische Musik an Orte, wo sonst keine Musik erklingt, wie z. B. in Favelas, Kindergärten, Krankenhäusern und Kantinen in großen Firmen.
Durch unsere Tochter sind wir besonders motiviert die Kleinen mit unserer Musik anzusprechen und haben schon viele thematische Konzerte für 0- 5 jährige entworfen. Dabei entstand die von mir geschriebene Geschichte: „A Terra da Música“ („Die Welt der Musik“), die eine kleine Handlung mit klassischer Musik von 4 Musikern und einem Schauspieler verknüpft. „A Terra da Música“ haben wir mit sehr großem Erfolg in mehreren Vorstellungen aufgeführt.
2013 habe ich mit Kollegen des Orchesters das Quarteto A Priori gegründet. Die Zeitung Globo erwählte unser Debut- Konzert als eines der 10 besten Konzerte in Rio de Janeiro im Jahr 2013.
Um meine Orchester- und Unterrichtserfahrungen zu kombinieren, gründete ich im letzten Jahr mit der norwegischen Cellistin Kaja Fjellberg- Pettersen und meinem Mann Tiago Cosmo da Silva das Jugendorchester Camerata Laranjeiras, benannt nach unserem Stadtteil. Wir wollten ein Orchester schaffen, dass keine sozialen Grenzen hat. Alle Jugendlichen, die Freude am Musizieren haben, sind eingeladen Teil unseres Streichorchester zu sein. Dieses Projekt ist sehr erfolgreich und wir hatten schon die Möglichkeit beim Besuch des Wirtschafts- Ministers Norwegens ein Konzert zu spielen.Bild

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